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Interview mit Maureen Kearney, EBR-Vorsitzende bei Areva

FotoFotoFrage: Wie kam es zu der sehr umfassenden Gleichstellungsvereinbarung?

Kearney: Den EBR von Areva gibt seit Dezember 2003. Wir wollten uns mit den kulturellen Unterschieden innerhalb des noch jungen Gremiums besch√§ftigten und dann versuchen, die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen L√§ndern zu harmonisieren. Da war es thematisch nicht weit zu dem Bereich Chancengleichheit und Antidiskriminierung. Um uns einen ersten √úberblick √ľber den Status Quo zu verschaffen, erarbeiteten wir einen Fragebogen √ľber die Gleichstellung von M√§nnern und Frauen und die Arbeitsbedingungen behinderter Menschen. Dieser Fragebogen wurde von den Personalleitern in Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Arbeitnehmervertretungen ausgef√ľllt. Nach dem R√ľcklauf werteten wir diese Frageb√∂gen aus und beschlossen, die guten Praktiken einzelner L√§nder auch anderen L√§ndern zug√§nglich zu machen.

Frage: Die Vereinbarung zur Chancengleichheit wurde nicht vom EBR allein verhandelt, sondern zusammen mit dem Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB), der alleiniger Vertragspartner ist. Wie kam es dazu?

Kearney: Der EBR hat rechtlich kein Mandat, Vereinbarungen abzuschließen. Diese Kompetenz wird nur den nationalen Gewerkschaften oder europäischen Gewerkschaftsverbänden zugesprochen. Wir haben zwar auf EBR-Ebene begonnen, uns mit der Thematik zu beschäftigen, aber dann war es uns wichtig, den EMB einzubinden.

Frage: Aber andere Europäische Betriebsräte schließen doch Vereinbarungen ab … ?

Kearney: Ja, sicher. Aber wir wollten den EMB dabei haben und so wandten wir uns an ihn, bevor wir mit Verhandlungen begannen. Über diese Angelegenheit bestand Einigkeit im EBR, wir wollten einfach alle einschließen.

Frage: Das ist ja auch eine politische Frage. Seid Ihr ein sehr gewerkschaftlich orientiertes Gremium?

Kearney: Ja, das kann man so sagen. Im ganzen Gremium sind nur zwei Leute keine Gewerkschaftsmitglieder. Und wir haben einfach einen guten Kontakt zum EMB. Der Generalsekret√§r Peter Scherrer ist zwar nicht bei unseren Sitzungen dabei, steht uns aber als Ansprechpartner zur Verf√ľgung, wenn wir ihn brauchen. Es hat sich auch als sehr vorteilhaft f√ľr die Verhandlungen herausgestellt, den EMB dabei zu haben, wir hatten wirklich kompetente Unterst√ľtzung.

Frage: Waren die Verhandlungen schwierig?

Kearney: Nein, das kann man nicht sagen. Es war das erste Mal, da√ü ich in einer so harmonischen und angenehmen Atmosph√§re verhandelt habe. Es gab insgesamt vier Treffen, bis wir zu einer Einigung kamen. Die Arbeitgeberseite war sehr offen f√ľr das Thema und ist sofort auf den Zug aufgesprungen. Nat√ľrlich mu√üten wir auch Zugest√§ndnisse machen, aber wir erhielten doch fast 95% von dem, was wir in die Vereinbarung einbezogen sehen wollten.

Frage: Meinst Du, das hängt damit zusammen, daß Ihr ein Staatskonzern seid?

Kearney: Nein, das w√ľrde ich nicht sagen. Es gibt ja in anderen Staatsbetrieben nicht unbedingt solche Vereinbarungen. Ich denke, es h√§ngt damit zusammen, da√ü an der Spitze des Konzerns eine Frau steht ‚Äď und die ist sehr offen f√ľr die Thematik gewesen.

Frage: Wie wird die Vereinbarung umgesetzt?

Kearney: Im Januar 2007 findet ein Treffen mit allen Personalverantwortlichen der europ√§ischen Standorte von Areva statt, das die Inhalte der Vereinbarung zum Thema hat. Im Februar/M√§rz 2007 werden wir vier bis sechs L√§nder besuchen, um Management, Arbeitnehmervertreter und die Besch√§ftigten selbst √ľber die Vereinbarung zu informieren. Dann geht es um die Durchf√ľhrung: es werden Schulungen stattfinden, um das Bewu√ütsein weiter zu entwickeln, zu sensibilisieren und die Wahrnehmung hinsichtlich Behinderung zu ver√§ndern. Anschlie√üend wird der √úberwachungsausschu√ü mit Vertretern der zentralen Leitung, des EMB und des EBR die lokalen und nationalen Aktionspl√§ne auswerten.

Frage: Habt Ihr weitere Themen, die Ihr mit dem EBR bearbeiten wollt?

Kearney: Ja, sicher. Wir werden uns mit dem Thema der sozialen Sicherung der Beschäftigten befassen. Aber erst muß die Gleichstellungsvereinbarung wirklich umgesetzt sein. Den Abschluß zu erreichen war nur der erste Schritt und sicher eher der einfachere. Wir wollen nicht, daß die Vereinbarung nur auf dem Papier steht, sie soll den Beschäftigten auch tatsächlich zugute kommen.

Maureen Kearney ist die Vorsitzende der Arbeitnehmerseite im Europäischen Betriebsrat von Areva, einem französischen Nuklearkonzern. Sie stammt aus Irland, lebt in Frankreich und ist Mitglied der Gewerkschaft CFDT.


Das Interview f√ľhrte Reingard Zimmer am 21. Dezember 2006.


Weitere Informationen:

Die Vereinbarung im Wortlaut
Hintergrundinformationen zum Abschluß der Vereinbarung
(Bericht in den EBR-News 4/2006)



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